Mit dem Jahr 2024 startete die KIKO Brandenburg – Kontaktstelle der zivilgesellschaftlichen Akteur*innen zur Umsetzung der Istanbul-Konvention im Land Brandenburg als wichtiger Baustein der zivilgesellschaftlichen Gewaltschutzarbeit im Land. Ziel war es von Beginn an, die Umsetzung der Menschenrechtskonvention gegen geschlechtsspezifische und häusliche Gewalt zu stärken, Infrastruktur und Vernetzungsstrukturen auszubauen und Fachkräfte sowie Öffentlichkeit zu sensibilisieren. Heute – zwei Jahre später – können wir auf einen intensiven Aufbauprozess, zahlreiche Veranstaltungen und den erfolgreichen Start regionaler Netzwerke zurückblicken.
Aufbau der Koordinierungsstelle
Im Januar 2024 nahm die KIKO Brandenburg offiziell die Arbeit auf. Sie versteht sich als Schnittstelle zwischen zivilgesellschaftlichen Akteur*innen, Beratungseinrichtungen, Verwaltung, Polizei und Justiz, um die Umsetzung der Istanbul-Konvention als gesamtgesellschaftliche Aufgabe zu unterstützen und zu koordinieren.
Regionale Netzwerke entstehen
Meilensteine für die KIKO Brandenburg waren u. a. die Unterstützung bei der Gründung zweier regionaler Netzwerke gegen Gewalt:
- Netzwerk GewalTFrei im Landkreis Teltow-Fläming: Am 25. November 2024 – dem Internationalen Tag zur Beseitigung von Gewalt gegen Frauen – gründeten die Gleichstellungsbeauftragte des Landkreises, die Stadt Ludwigsfelde und die KIKO Brandenburg gemeinsam das Netzwerk für ein gewaltfreies Leben von Frauen und Mädchen. Rund 40 Akteur*innen aus Zivilgesellschaft, Verwaltung, Polizei und Beratungsstellen begannen dort, eine gemeinsame Vision für den Landkreis zu gestalten.
- Netzwerk in Spree-Neiße: Auch in Spree-Neiße konnte im November 2025 das Netzwerk Häusliche Gewalt wieder gegründet werden. Ziel ist die lokale Akteur*innen zusammenbringen, den Austausch und interdisziplinäre Zusammenarbeit vor Ort zu stärken. Dies trägt dazu bei, ländliche Räume besser zu vernetzen und den Gewaltschutz über administrative Grenzen hinweg zu stärken.
Diese regionalen Netzwerke sind Ausdruck eines zentralen Projektziels: Nicht nur zu beraten, sondern gemeinsam mit lokalen Partner*innen Strukturen zu schaffen, die langfristig wirken.
Wissensvermittlung über verschiedene Formate
Neben der Netzwerkarbeit spielte die Entwicklung niedrigschwelliger Informationsangebote eine zentrale Rolle. In den vergangenen zwei Jahren entstanden Informationsvideos zur Istanbul-Konvention, die Ziele und Bedeutung der Konvention verständlich und barrierearm vermitteln. Ergänzend wurden Flyer veröffentlicht, die zentrale Inhalte kompakt zusammenfassen und landesweit von Fachstellen genutzt werden. Darüber hinaus erarbeitete die KIKO Brandenburg drei Faktenblätter zu unterschiedlichen Gewaltformen, die fachlich einordnen, sensibilisieren und praxisnahe Orientierung im Umgang mit Gewalt bieten. Gemeinsam tragen diese Materialien dazu bei, Wissen und die Istanbul-Konvention im Land Brandenburg sichtbar zu verankern.
Fachvorträge: Sensibilisierung auf breiter Ebene
Ein weiterer Schwerpunkt der Arbeit lag auf der Durchführung von Fachvorträgen und Sensibilisierungsformaten, die in ihrer Reichweite beeindruckend waren: Jede Online-Veranstaltung erreichte bis zu 200 Fachkräfte aus unterschiedlichen Bereichen wie Sozialer Arbeit, Jugendhilfe, Justiz oder Polizei und hat damit wesentlich zur fachlichen Auseinandersetzung mit Themen der Gewaltprävention und -bekämpfung beigetragen.
Die Themenpalette der Fachvorträge reichte dabei von „Strategien von Täter*innen erkennen und begegnen“ bis hin zu „Kinder und Jugendliche im Kontext häuslicher Gewalt“. Diese Veranstaltungen dienen nicht nur der Wissensvermittlung, sondern sind auch Orte des Austauschs und der gemeinsamen Reflexion darüber, wie Unterstützungsstrukturen verbessert werden können.
Handouts und Materialien zu diesen Vorträgen stehen mittlerweile über die Webseite zur Verfügung und werden weiterhin genutzt, um Wissen zu verbreiten und die Arbeit vor Ort zu stärken.
Ein erfolgreicher Fachtag als Ort des Austauschs und der Vernetzung
Ein Höhepunkt der bisherigen Projektlaufzeit war der von der KIKO Brandenburg organisierte überregionale Fachtag, der zahlreiche Fachkräfte aus unterschiedlichen Arbeitsfeldern und Landkreisen zusammenführte. Mit fachlichen Inputs, Diskussionen und Austauschformaten wurde deutlich, wie groß der Bedarf an landesweiter Vernetzung, gemeinsamer Strategieentwicklung und Koordination im Gewaltschutz ist.
(Weitere Informationen und Eindrücke sind auf kiko-brandenburg.de/news zu finden.)
Dank für strategische Begleitung und solidarische Unterstützung
Zwei Jahre erfolgreiche Arbeit wären ohne starke Begleitung und solidarische Unterstützung nicht möglich gewesen. Ein besonderer Dank gilt dem KIKO-Projektbeirat, der die Arbeit der Koordinierungsstelle von Beginn an strategisch begleitet, fachlich berät und wichtige Impulse für die Weiterentwicklung gesetzt hat. Die Expertise und der kritische Blick des Beirats haben maßgeblich dazu beigetragen, die KIKO Brandenburg klar auszurichten und nachhaltig zu stärken.
Ebenso danken wir dem gesamten Hilfenetzwerk im Land Brandenburg, das insbesondere in herausfordernden Zeiten – etwa im Kampf um überjährige Fördermittel – solidarisch, laut und geschlossen an unserer Seite stand. Diese Unterstützung hat gezeigt, wie stark das zivilgesellschaftliche Engagement gegen Gewalt ist, wenn Akteur*innen gemeinsam für den Schutz von Frauen und Mädchen eintreten. Dieses Miteinander ist ein wesentlicher Grundpfeiler für die Arbeit der KIKO Brandenburg – gestern, heute und in Zukunft.
Ausblick
Wir freuen uns auch weiterhin auf uns gemeinsames und vernetztes Wirken und großartige Kooperationen!
Trotzdem muss auch an dieser Stelle vermerkt werden, das Jahr 2025 endete enttäuschend:
Eine überjährige Förderung der Koordinierungsstelle des NbF und der Kontaktstelle zur Umsetzung der Istanbul Konvention (KIKO) wurde nicht bewilligt. Die Finanzierung ist lediglich für 2026 beschieden worden – obwohl die entsprechenden Mittel im Landeshaushalt über Verpflichtungsermächtigungen auch für 2027 und 2028 hinterlegt waren.
Gewaltschutz heißt Schutz und Sicherheit. Wir wollen, dass er auch in Brandenburg für alle gilt und zugänglich ist. Deswegen brauchen Koordinierungsstellen eine überjährige Förderung.