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Rückblick: Fachtag „Stabil vernetzt für ein gewaltfreies Brandenburg“

Am Mittwoch, den 29. Oktober 2025, lud die KIKO Brandenburg zur überregionalen Vernetzungsveranstaltung unter dem Titel „Stabil vernetzt für ein gewaltfreies Brandenburg“ ein. Die ganztägige Veranstaltung von 10 bis 16 Uhr fand im Herzen von Potsdam am Alter Markt 6 statt. Die Zielgruppe waren Fachkräfte, Arbeitskreise, Verwaltung und Politik, die sich im Land Brandenburg für ein Leben ohne Gewalt einsetzen.

Richtungsweisende Grußworte

Richtungsweisende Grußworte gaben den Auftakt des Fachtags. Der Vorstand des Netzwerks der brandenburgischen Frauenhäuser verdeutlichte einmal mehr, dass bei aller fachlichen Unterschiedlichkeit den Akteur*innen dasselbe Ziel gemein ist: geschlechtsspezifische und häusliche Gewalt im Land Brandenburg zu bekämpfen und zu verhindern.

Patrick Wahl, Staatssekretär im Ministerium für Gesundheit und Soziales im Land Brandenburg, ließ die Anwesenden einen Blick auf den Zusammenhang von Gewaltfreiheit und finanzieller Unabhängigkeit richten. Finanzielle Unabhängigkeit kann Machtgefälle und damit verbunden Formen von Gewalt verringern, da sie individuelle Selbstbestimmung und Handlungsspielräume stärkt.

Dr. Uta Kletzing, neu im Amt der Gleichstellungsbeauftragten des Landes Brandenburg, betonte das Potenzial des Veranstaltungsorts. Das Haus am Alter Markt 6 bündele das Engagement des Autonomen Frauenzentrums, des Frauenpolitischen Rates Brandenburg sowie des Netzwerks der brandenburgischen Frauenhäuser. Der gemeinsame Standort fördert Synergien, schafft Sichtbarkeit und steht für Netzwerk und gemeinsames Handeln.

Impulsvorträge, Workshops und Vernetzungsformate

Im Zentrum der Veranstaltung standen im Anschluss zwei große Fragen: Wie kann das Menschenrecht auf ein Leben frei von Gewalt auf kommunaler Ebene umgesetzt werden? Und wie kann eine erfolgreiche (kommunale) Vernetzung als wirksames Mittel gegen Gewalt wirken? Ziel war es, sowohl fachlich neue Perspektiven zu eröffnen als auch den direkten Austausch zwischen Akteur*innen aus den Regionen zu stärken.

Auf dem Podium kamen dafür vier Perspektiven ins Gespräch: kommunal, landesweit, zivilgesellschaftlich und rechtlich. Drei Impulsvorträge legten den Blick auf gelingende Intervention und Prävention. Stabile und persönliche Vernetzung sei dabei auch für gelingende Intervention essenziell, so Natalie Köpsel, wissenschaftliche Mitarbeiterin der Hochschule der Polizei, in ihrem Impulsvortrag 

Als Ansätze der kommunalen Gewaltprävention wurden Projekte mit Fokus auf den sozialen Nahraum und der geschlechtersensiblen Jugendarbeit vorgestellt. Zu Gast waren dafür Prof. Dr. Sabine Stövesand, Vorstandsfrau von StoP e.V., sowie Laura Kapp, Koordinatorin beim Netzwerk der brandenburgischen Frauenhäuser und Vera Spatz vom Mädchen*treff „ZimtZicken“.

Parallel zu den Impulsen der kommunalen Prävention kamen Fachtagsteilnehmende in zwei Workshops zu den Fragen zu Konflikt und Kooperation sowie der Wirkkraft von Netzwerken in den Austausch. Wie können wir Kommunalpolitiker*innen als Verbündete für den Gewaltschutz vor Ort gewinnen? Wie kann es gelingen Vernetzung aufzubauen und eine vertrauensvolle Zusammenarbeit zu stärken, wenn Spannungen und Differenzen der Perspektiven als herausfordernd erlebt werden? (Kommunale) Netzwerke sind Orte der Zusammenarbeit, diverser Expertisen und Perspektiven. Dies birgt sowohl das Potential für Spannungen als auch große, nachhaltige kommunale Wirkkraft. 

Ausblick

Der Austausch im Rahmen des Fachtags zeigte eindrücklich, wie vielfältig die Strukturen in den Landkreisen bereits sind – und zugleich wie wichtig der gemeinsame Blick auf Best-Practice-Ansätze und interdisziplinäre Kooperation ist.

Für die Zukunft wurde deutlich: Es braucht den Ausbau der kommunalen Vernetzungs- und Präventionsstrukturen – regional und überregional. Nur durch die Stärkung von Niedrigschwellenangeboten, vernetztes Handeln und umfassende Prävention lässt sich das Menschenrecht auf ein Leben frei von Gewalt für alle umsetzen.

Wir danken allen Teilnehmenden, Referent*innen und Mitwirkenden für ihr Engagement – und freuen uns auf den weiteren gemeinsamen Weg zu einem vernetzten, gewaltfreien Brandenburg.

Geschlechtsspezifische Gewalt meint gewaltvolle Handlungen gegenüber einem Individuum oder einer Gruppe von Indi­viduen aufgrund der Geschlechts­identität. Der Begriff wird benutzt, um zu verdeut­lichen, dass gesellschaftliche Struk­turen das Risiko erhöhen, bestimmte Formen von Gewalt zu erleben. Besonders betroffen sind Frauen und Mädchen, trans, nicht-binäre und intersex Menschen, aber auch Menschen, die bestimmten sozialen Nor­men oder einem binären Geschlechter­verständnis nicht entsprechen.