Seit November 2025 wird das Hilfesystem für Betroffene geschlechtsspezifischer und häuslicher Gewalt in Brandenburg erweitert. Mit dem Aufbau von zwei neuen Beratungs-, Interventions- und Koordinierungsstellen (BIK) entstehen spezialisierte Anlaufstellen, die Betroffene unterstützen, Fachkräfte beraten, die Zusammenarbeit im Gewaltschutz stärken und das bestehende Hilfesystem entlasten.
B – Beratung bei geschlechtsspezifischer Gewalt
I – Intervention nach Polizeieinsätzen
K – Koordinierung regionaler Kooperation
B – Beratung bei geschlechtsspezifischer Gewalt
Ein zentraler Aufgabenbereich der neuen BIK-Stellen ist die Beratung zu Formen geschlechtsspezifischer Gewalt, wobei jede BIK-Stelle mit einer Spezialisierung die Fachberatung im Land Brandenburg erweitert.
Die BIK West ist dabei auf digitale Gewalt spezialisiert. Mit der zunehmenden Nutzung digitaler Technologien nehmen auch digitale Formen der Gewalt zu. Dazu gehören unter anderem Cyberstalking, digitale Überwachung, die ungewollte Weitergabe intimer Bilder, Bedrohungen über soziale Medien oder Messenger-Dienste sowie kontrollierendes Verhalten mithilfe digitaler Technologien. Digitale Gewalt tritt häufig nicht allein auf, sondern begleitet oder verstärkt häusliche Gewalt. Die Fachberatungsstelle unterstützt Betroffene und stellt ihr Fachwissen auch anderen Einrichtungen des Hilfesystems zur Verfügung.
Die BIK Nord ist auf sexualisierte Gewalt spezialisiert. Sexualisierte Gewalt kann schwerwiegende psychische und körperliche Folgen haben. Scham, Schuldgefühle, Traumafolgen oder die Angst, nicht ernst genommen zu werden, erschweren vielen Betroffenen den Zugang zu Unterstützung. Die Fachberatung arbeitet traumasensibel, parteilich und berücksichtigt die besonderen Dynamiken sexualisierter Gewalt. Auch sie unterstützt neben Betroffenen Fachkräfte und Einrichtungen mit ihrer Expertise.
I – Intervention nach Polizeieinsätzen
Ein weiterer Schwerpunkt der BIK-Stellen ist die Intervention nach Einsätzen der Polizei wegen häuslicher Gewalt. Künftig sollen die Kontaktdaten betroffener Personen – entsprechend der rechtlichen Voraussetzungen – an die zuständige BIK-Stelle übermittelt werden. Die Mitarbeitenden können anschließend aktiv Kontakt aufnehmen, über Unterstützungsangebote informieren und gemeinsam mit den Betroffenen weitere Schutz- und Handlungsmöglichkeiten besprechen. Das Angebot richtet sich dabei ausdrücklich an Betroffene häuslicher Gewalt aller Geschlechter.
Die BIK West – in Trägerschaft der AWO Bezirksverband Potsdam e. V. – ist im Rahmen der Intervention zukünftig für das Gebiet der Polizeidirektion West (Landkreise Havelland, Potsdam-Mittelmark und Teltow-Fläming sowie die kreisfreien Städte Potsdam und Brandenburg an der Havel) zuständig.
Die BIK Nord entsteht unter der Trägerschaft des Neuruppiner Frauen für Frauen e. V. und ist in Zukunft für das Gebiet der Polizeidirektion Nord (Landkreise Prignitz, Ostprignitz-Ruppin und Oberhavel) zuständig.
Bislang übernehmen diese Interventionsarbeit in Brandenburg die Frauenhäuser und Frauenberatungsstellen, der Weiße Ring und die Opferhilfe. Sie werden auch weiterhin für Regionen ohne BIK-Stellen zuständig sein, wobei eine Entlastung des Hilfesystems und Ausbau der Beratungsstrukturen flächendeckend benötigt wird.
K – Koordinierung regionaler Kooperation
Neben Beratung und Intervention übernehmen die BIK-Stellen eine wichtige Koordinierungsfunktion. Sie vernetzen Polizei, Frauenhäuser, Fachberatungsstellen, Jugendämter, Opferhilfeeinrichtungen und weitere Akteur*innen des Gewaltschutzes. Ziel ist es, die regionale Zusammenarbeit weiter auszubauen, den fachlichen Austausch zu stärken und Betroffenen schnell die passende Unterstützung zu vermitteln.
Darüber hinaus sollen die BIK-Stellen künftig eine zentrale Rolle beim Aufbau des Hochrisikomanagements und der Durchführung von Fallkonferenzen übernehmen. Weitere Informationen hierzu folgen voraussichtlich in der zweiten Jahreshälfte.
Weitere Informationen und die Kontaktdaten der Beratungsstellen unter: